Klimabericht (gem. TCFD)
nichtfinanzielle Belange
Neben den Einflüssen unseres Geschäftsmodells auf die Umwelt prüfen wir auch, inwiefern Umwelteinflüsse und der Klimawandel unsere Standorte, Betriebsabläufe und Wertschöpfung entlang der gesamten Wertschöpfungskette beeinträchtigen oder in Zukunft beeinträchtigen könnten. Im Rahmen der gesetzlichen Verpflichtungen berichten wir deshalb nach den Richtlinien der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) über den Einfluss klimabedingter Risiken und Chancen sowie die Massnahmen, um diese proaktiv zu steuern.
Art. 3 KlimaVO
Governance
Die Analyse klimabezogener Risiken und Chancen ist in die bestehenden Governance-Prozesse von Galenica integriert. Details zu den Verantwortlichkeiten im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung finden sich im Kapitel Nachhaltigkeitsorganisation.
Strategie
Galenica analysiert regelmässig die Auswirkungen klimabezogener Risiken auf die Gruppe. Dazu unterscheiden wir gemäss den TCFD-Empfehlungen zwischen physischen Risiken durch Klima- und Wetterereignisse sowie transitorischen Risiken sowie Chancen aus der Dekarbonisierung und den damit verbundenen rechtlichen, sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen. Diese können unsere Geschäftstätigkeiten, Strategie und Finanzplanung durch notwendige Massnahmen zur CO2-Reduktion beeinflussen. Zugleich können sich auch klimabezogene Chancen ergeben, etwa durch Effizienzgewinne und eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit. Klimabedingte Risiken und Chancen werden dabei systematisch identifiziert, kategorisiert und bewertet.
Die Risiken werden qualitativ bewertet und nach Eintrittswahrscheinlichkeit und finanzieller Auswirkung kategorisiert. Zudem werden die Risiken und Chancen auf einer Zeitachse eingestuft: kurzfristig (1-3 Jahre), mittelfristig (3-10 Jahre) oder langfristig (>10 Jahre).
Einbezug von Szenarien
In der Analyse klimabezogener Risiken und Chancen berücksichtigen wir verschiedene Klimaszenarien. Auf Basis einer datenbasierten Szenarioanalyse wurde die Bewertung von zukünftigen Auswirkungen der identifizierten Risiken und Chancen auf die Geschäftsstrategie weiterentwickelt. Zur Bewertung der Resilienz gegenüber dem Klimawandel betrachten wir drei unterschiedliche Szenarien, die sich an den Weltklimarat-Szenarien orientieren und als internationaler Standard gelten. Diese setzen sich jeweils zusammen aus einer Projektion zur Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft (sog. «shared socioeconomic pathways», z.B. SSP1) sowie einer zugehörigen Zahl zur treibhausgasbedingten Erhitzungsleistung (z.B. 2.6):
- Das «Unter 2°C» Szenario entspricht dem SSP1-2.6, das eine Klimaerwärmung von unter 2 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts annimmt. SSP1-2.6 impliziert die konsequenteste klimabedingte Transition der Wirtschaft und ist daher ausschlaggebend für die Analyse transitorischer Risiken.
- Das Szenario «Weiter wie bisher» entspricht dem SSP2-4.5, das von einer Klimaerwärmung von knapp 3 Grad Celsius ausgeht, und beschreibt einen Mittelweg.
- Die stärkste Klimawandelentwicklung ist durch das «Über 4°C» Szenario (SSP5-8.5) dargestellt, es eignet sich für eine vertiefte Betrachtung physischer Risiken.
«Unter 2°C» Szenario
SSP1-2.6
Internationale Zusammenarbeit fördert gemeinsame Klimaschutz-massnahmen und die effiziente Nutzung von Ressourcen. Eine umfassende Umstellung auf erneuerbare Energien und die Einführung von Kreislaufwirtschaften senken Emissionen und Materialverbrauch. Wirtschaft und Gesellschaft orientieren sich an nachhaltigen Praktiken, wodurch Unternehmen ihre Geschäftsmodelle entsprechend ausrichten.
- Die Treibhausgasemissionen werden drastisch reduziert, um die globale Erwärmung unter 2°C zu halten.
- Tendenziell mit hohen transitorischen und tieferen physischen Risiken verbunden.
«Weiter wie bisher» Szenario
SSP2-4.5
Begrenzte internationale Zusammenarbeit und nur schrittweise Klimaschutz-massnahmen prägen dieses Szenario. Die Energieversorgung bleibt stark von fossilen Brenn-stoffen abhängig, während erneuerbare Alternativen nur langsam eingeführt werden. Produktionsmodelle bleiben überwiegend linear und ressourcenintensiv, Recycling ist begrenzt. Wirtschaft und Konsum orientieren sich weiterhin an konventionellen Praktiken, nachhaltige Entscheidungen erfolgen nur partiell.
- Die Treibhausgasemissionen sind nach wie vor hoch und die Prognosen für die globale Erwärmung liegen deutlich über 2°C, tendenziell bei fast 3°C.
- Partielle Intensivierung transitorischer und physischer Risiken.
Extremwertszenario
SSP5-8.5
Internationale Kooperation ist schwach und technologische Innovationen konzentrieren sich auf Effizienz und Produktivität statt auf Nachhaltigkeit. Die Energieversorgung bleibt fossil dominiert, mit starkem Fokus auf wirtschaftliches Wachstum und hohen Konsum. Nachhaltigkeit spielt fast keine Rolle, ressourcenintensiver Konsum wächst kontinuierlich.
- Emissionen steigen weiterhin an, was zu einer massiven Erwärmung von 4°-5°C und extremen Klimarisiken führt.
- Tendenziell mit tiefen transitorischen, dafür hohen physischen Risiken verbunden.
Klimabezogene Risiken & Chancen
Die so identifizierten Risiken und deren potenzielle Auswirkungen auf Galenica sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.
Klimabezogene Risken & Chancen
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Kategorie |
Risiko/Chance |
Impact-Beschreibung |
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Extremwetter und Über- schwemmungen (physisch akut) |
Unterbrüche der Lieferkette aufgrund extremer Wetterereignisse und Überschwemmungen |
Vorgelagerte Lieferkette und eigene Standorte |
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Umsatzverlust oder Kostenanstieg aufgrund von Lieferproblemen bei Medikamenten, Wegfall von Lieferanten, Unterbruch in Lieferkette, Gebäude- und Materialschäden, Einschränkungen der Logistik |
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1) mittelfristig; 2) mittel; 3) mittel |
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Temperaturanstieg und Hitzestress (physisch chronisch und akut) |
Betriebs- einschränkungen aufgrund steigender Temperaturen |
Eigener Betrieb |
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Umsatzeinbussen / Kostensteigerung aufgrund steigender Personalausfälle wegen Hitze (in Logistik und Apotheken), Produktivitätseinbussen, möglicherweise Kürzung der Öffnungszeiten |
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1) mittelfristig; 2) mittel; 3) mittel |
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Kühlungsbedarf in Apotheken und Logistik |
Eigener Betrieb |
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Erhöhte Energiekosten, erhöhter Personalaufwand (Kompetenzen) |
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Bedarf an Kühlungssystemen (aufgrund steigender Temperaturen) |
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1) kurzfristig; 2) hoch; 3) hoch |
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Klimabedingte Krankheitsbild- und Verhaltens- veränderungen bei Konsumenten |
Nachgelagerte Lieferkette |
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Umsatzeinbussen: Ausfall / Schwache oder Verschiebung der Allergie- oder Grippe-Saison. |
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Menschen meiden einerseits die Städte und besuchen deshalb weniger die Apotheken (Verschiebung offline > online, dadurch geringere Margen), andererseits besteht erhöhter Bedarf an medizinischer Versorgung durch Umweltherausforderungen und Demographie |
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1) kurzfristig; 2) mittel; 3) mittel |
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Policy |
Erhöhung Herstellkosten für OTC-Medikamente aufgrund Regulierung |
Vorgelagerte Lieferkette |
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Steigende Regulierung: Erhöhung von Steuern und Preisen (bestimmter Rohstoffe oder erhöhte Auflagen für Transport, ESG-EU-Kriterien, Strompreise, CO 2 ) |
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1) kurzfristig; 2) mittel; 3) mittel |
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Steigende Betriebskosten aufgrund Klimaschutz-Regulierung |
Eigener Betrieb |
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Höhere Energie- und Betriebskosten |
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Weitere Regulationen (OR): entsprechende Erhöhung Personalkosten |
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1) kurzfristig; 2) hoch; 3) mittel |
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Verschlechterte Transportkonditionen der Lieferdienste aufgrund CO 2 -Steuern |
Nachgelagerte Lieferkette |
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CO 2 -Steuer auf Transportleistungen könnte Bruttomarge bei Apotheken reduzieren |
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1) kurzfristig; 2) hoch; 3) mittel |
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Markt |
Steigende Nachhaltig- keitsanforderungen von Geschäftskunden |
Nachgelagerte Lieferkette |
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Steigende Kosten aufgrund höherer Anforderungen des Marktes und Personaleinsatz |
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1) mittelfristig; 2) hoch; 3) mittel |
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Chance |
Durch Klimawandel angestossene Innovation der Arbeitsmodelle |
Eigener Betrieb und nachgelagerte Lieferkette |
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Änderung von Arbeitszeitmodellen, die nötig sind durch Klimawandel |
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1) langfristig; 2) hoch; 3) mittel |
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Angebote für sich verändernde Krankheitsbilder aufgrund des Klimawandels |
Nachgelagerte Lieferkette |
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Höhere Temperaturen führen zu neuen Krankheiten oder bisher in unseren Bereitengraden unbekannten Krankheiten oder zur Verschlechterung der Gesundheit insbesondere bei vulnerablen Personen, dies erhöht die Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten in Apotheken |
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1) mittelfristig; 2) hoch; 3) mittel |
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Stärkung der Reputation dank Nachhaltigkeitsfokus |
Eigener Betrieb und nachgelagerte Lieferkette |
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Nachhaltigkeit als Teil der Value Proposition: Galenica wird als attraktive Arbeitgeberin und Geschäftspartnerin wahrgenommen |
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1) mittelfristig; 2) mittel; 3) mittel |
1) Zeithorizont: kurzfristig = 1-3 Jahre; mittelfristig = 3-10 Jahre; langfristig = >10 Jahre
2) Eintrittswahrscheinlichkeit: Tief = wenig wahrscheinlich <30%; Mittel = möglich 30% bis 70%; Hoch = sehr wahrscheinlich >70%
3) Finanzieller Impact (Cash-Out): Tief <5 Mio.; Mittel 5-15 Mio.; Hoch >15 Mio.
Einfluss klimabezogener Chancen und Risiken
Die Beurteilung zeigt, dass die meisten Risiken physischer Natur sind, wie Überschwemmungen oder Erdrutsche, die akute Unterbrechungen in den Apotheken sowie in der Lieferkette verursachen können. Für die eigenen Standorte wurde anhand software-basierter Risikowerte mit einer Priorisierung in den Kategorien Überschwemmung, Extremwetter und Extremtemperaturen begonnen, die unter anderem jeweils Flusshochwasser, Stürme und Hitze abbilden. So zeigt sich im Extremwertszenario, dass insbesondere im Süden und Osten der Schweiz, sowie in städtischen Regionen (Hitzeinseleffekt) mit mehr als einer Verdopplung der Anzahl tropischer Nächte und Dauer von Hitzewellen gerechnet werden muss.
Chronische physische Risiken durch langfristige Temperaturveränderungen könnten die gesamte Wertschöpfungskette beeinträchtigen, insbesondere die Herstellung von OTC-Medikamenten wie Phytomedizin, was eine Verlagerung der Produktion erforderlich machen könnte.
Darüber hinaus könnten klimabedingte Veränderungen zu Produktivitätseinbussen im eigenen Betrieb führen und finanziell schwerwiegendere Folgen haben, wie veränderte Krankheitsbilder oder klimabedingte Verhaltensänderungen bei Konsumentinnen und Konsumenten. Dies könnte zu Umsatzrückgängen oder Kostensteigerungen aufgrund vermehrter Personalausfälle durch Hitze führen. Galenica könnte jedoch langfristig auch Chancen nutzen, wenn sie sich rechtzeitig auf neue Verhaltensmuster oder Krankheitsbilder vorbereitet. Dies erfordert rechtzeitige Investitionen in alternative Absatzkanäle, wie einen verstärkten Fokus auf Online-Beratungen oder die Herstellung und den Vertrieb neuer Medikamente.
Beim Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft könnte Galenica auch politischen, rechtlichen oder marktwirtschaftlichen Risiken ausgesetzt sein, um die Anforderungen zur Abmilderung und Anpassung an den Klimawandel zu erfüllen. Das bedeutendste Risiko stellt die zunehmende Regulierung dar, insbesondere die CO2-Steuer und weitere regulatorische Anforderungen, wie beispielsweise die ESG-Berichterstattung. Dies betrifft die gesamte Wertschöpfungskette von Galenica und könnte höhere Kosten im Einkauf und Betrieb sowie sinkende Margen und Dienstleistungseinbussen zur Folge haben.
Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil
Wenn Galenica wirksame Klimaschutzmassnahmen ergreift und ihr Geschäftsmodell sowie ihre Strategie erfolgreich an die Herausforderungen des Klimawandels anpasst, können sich Chancen eröffnen. CO2-Steuern könnten als Katalysator für innovative Logistik- und Vertriebsmodelle dienen. Insbesondere durch fortschrittliche Konzepte für die letzte Meile, welche die Lieferfrequenzen optimieren, könnte Galenica den Kundenservice verbessern. Elektrofahrzeugflotten und energieeffiziente Geschäftsgebäude können zudem die Attraktivität des Unternehmens als verantwortungsbewusste und zukunftsorientierte Geschäftspartnerin erhöhen.
Galenica hat Nachhaltigkeit als Kernprinzip in ihrer Unternehmensstrategie verankert und ist somit gut auf künftige Forderungen seitens der Politik, Kunden und Partner vorbereitet. Diese Bestrebungen könnten entscheidend sein, um talentierte Arbeitskräfte anzuziehen und zu binden sowie langfristig stabile Geschäftspartnerschaften zu fördern. Insgesamt könnte die Nachhaltigkeit als Teil des Werteversprechens von Galenica zum Treiber werden für innovative Lösungen und Angebote in einer zunehmend umweltbewussten Marktwirtschaft.
Resilienz unter Berücksichtigung von Szenarien
Galenica anerkennt die Wichtigkeit der Nachhaltigkeit und erkennt sowohl die Chancen als auch die Risiken, die klimabezogene Veränderungen mit sich bringen. Mit einer proaktiven und strategischen Herangehensweise stellt das Unternehmen sicher, dass es auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet ist und gleichzeitig die Möglichkeit hat, sich bietende Chancen wahrzunehmen.
Die Analyse zeigt, dass Galenica sowohl klimabezogenen Risiken wie auch Chancen ausgesetzt ist. Das «Weiter wie bisher» Szenario (über 2°C) birgt zwar Risiken für die unternehmenseigene Infrastruktur und die Sicherstellung der Lieferkette, doch liegen diese Auswirkungen ferner in der Zukunft und ermöglichen es Galenica, vorbeugende Handlungen zu ergreifen. Galenica konzentriert sich auf die Aufrechterhaltung einer finanziell gesunden Basis, einer diversifizierten Lieferkette und den Schutz und Aufrüstung der Standorte gegen klimabezogene physische Risiken wie Überschwemmungen.
Das Extremwertszenario zeigt auf, an welchen Standorten und Regionen in der Schweiz die physischen Risiken ihre intensivste Ausprägung aufweisen können. Darauf basierend entwickelt Galenica einerseits Anpassungs- und Massnahmenpläne weiter und kann andererseits strategisch den regionalen Bedarf an Gesundheitsgütern und -dienstleistungen in der Zukunft spezifischer abschätzen.
Das «Unter 2°C» Szenario, und somit die Dekarbonisierung der Wirtschaft, birgt ebenfalls einige Risiken. Galenica schätzt deren finanziellen Auswirkungen jedoch als moderat ein. Darüber hinaus ist das Unternehmen gut positioniert, indem es Nachhaltigkeits- und Klimaüberlegungen bereits in seine Unternehmensstrategie einbezieht und Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und Senkung der betriebseigenen Emissionen umsetzt. So kann Galenica nicht nur die Übergangsrisiken mildern, sondern setzt auch die Grundlage mögliche klimabezogene Chancen zu nutzen.
Risikomanagement
Im Jahr 2024 wurden erstmals klimabedingte Risiken gemäss den Richtlinien der TCFD identifiziert und in den Risikomanagementprozess der Gruppe integriert. Dieser erste Schritt basierte auf einer Analyse, die im Rahmen eines Workshops durchgeführt wurde, an dem relevante Funktionen aus der gesamten Gruppe beteiligt waren. Die Ergebnisse flossen in eine Risikomatrix ein, die analog zu den anderen 13 Risikoclustern als Grundlage für die Genehmigung durch die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat im Herbst 2024 diente.
Im Berichtsjahr 2025 haben wir die Bewertung klimabedingter Risiken weiter vertieft. Für die physischen Risiken wurde erstmals eine toolbasierte, quantitative Analyse durchgeführt. Das eingesetzte Tool stützt sich auf wissenschaftlich fundierte Klimaszenarien und ermöglichte eine detaillierte Standortanalyse innerhalb der Gruppe. Dabei haben wir verschiedene Szenarien berücksichtigt, um die potenziellen Auswirkungen von Extremwetterereignissen und langfristigen klimatischen Veränderungen auf unsere Standorte zu bewerten.
Die Steuerung klimabedingter Risiken erfolgt im Rahmen des gruppenweiten Risikomanagements (GRM), wie im Lagebericht beschrieben (siehe Kapitel Risikomanagement). Für das neu eingeführte Risikocluster «Klimarisiken» wurden spezifische Verantwortlichkeiten definiert. Die Fachbereiche Nachhaltigkeit und Controlling arbeiten eng zusammen, um klimabedingte Risiken regelmässig zu überwachen und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen. Massnahmen zur Risikominderung – wie Standortanalysen oder Szenariobetrachtungen – sind Teil des etablierten Risikomanagementprozesses.
Klimarisiken werden nach denselben Kriterien wie andere strategische und operative Risiken bewertet und in die Risikomatrix aufgenommen. Die Ergebnisse fliessen in die halbjährliche Berichterstattung an die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat ein und werden analog zu den anderen Risikoclustern genehmigt. Damit ist sichergestellt, dass klimabedingte Risiken kontinuierlich überwacht und im Rahmen der unternehmensweiten Risikosteuerung berücksichtigt werden.
Kennzahlen und Ziele
Die zentrale Kennzahl für das Klimamanagement von Galenica sind die CO2-Emissionen. Ihre Reduktion trägt nicht nur zur Minderung des Klimawandels bei, sondern senkt gleichzeitig die physischen Risiken, die durch Extremwetterereignisse entstehen können. Darüber hinaus reduziert eine konsequente Emissionsminderung die transitorischen Risiken, die sich aus regulatorischen Anforderungen und Marktveränderungen ergeben. Die definierten Reduktionsziele sind daher ein wesentlicher Bestandteil unseres Klimatransitionsplans, der im folgenden Abschnitt detailliert beschrieben wird.
Transitionsplan: Galenicas Weg zu Netto-Null-Emissionen
Die Ermittlung klimabedingter Risiken und Chancen bestärkt Galenica darin, Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie zu verankern und ihre CO2-Emissionen konsequent zu senken. Im Einklang mit den nationalen Klimazielen der Schweiz verpflichten wir uns, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir wissenschaftsbasierte Zwischenziele (Near-Term Targets gemäss den Vorgaben der Science Based Targets Initiative (SBTi)) definiert, die sich derzeit in der Validierungsphase bei SBTi befinden. Diese Zwischenziele bilden die Grundlage für unseren Weg zur Dekarbonisierung und stellen sicher, dass unsere Klimastrategie mit den globalen Bemühungen zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1.5 °C im Einklang steht.
Ziele
- Galenica verpflichtet sich, die absoluten Scope 1+2 Treibhausgasemissionen bis 2035 um 65% zu reduzieren (Basisjahr 2023).
- Galenica verpflichtet sich, dass 72% ihrer Lieferantenvolumen, gemessen an den Emissionen der Kategorien 1 (eingekaufte Waren & Dienstleistungen) und 4 (vorgelagerter Transport & Vertrieb), bis 2030 wissenschaftlich fundierte Ziele haben werden.
Um diese Ziele zu erreichen und die Widerstandsfähigkeit von Galenica gegenüber klimabezogenen Risiken zu erhöhen, hat die Unternehmensgruppe die Nachhaltigkeit – und damit auch klimabezogene Themen – zentral adressiert: Nachhaltigkeit in all ihren Ausprägungen ist fest in der Unternehmensstrategie verankert und integraler Bestandteil der Massnahmen, die zur Dekarbonisierung der Gruppe beitragen. Im Jahr 2026 plant Galenica zudem, eine vertiefte Klimastrategie zu entwickeln, die die Senkung der gesamten Treibhausgasemissionen (alle Scopes) bis 2050 beinhaltet.
Integration in die Unternehmensstrategie: Nachhaltigkeit ist fest in der Unternehmensstrategie, dem Geschäftsmodell sowie in den strategischen Handlungsfeldern und Prioritäten verankert. Besonders die strategische Priorität «Efficiency» zielt auf eine nachhaltige Ressourcennutzung und die Reduktion des CO2-Ausstosses ab. Die Definition gruppenweiter Ziele und Massnahmen bildet hierbei den Rahmen für einen ressourcenschonenden und effizienten Betrieb.
Initiativen zur Senkung der betrieblichen Emissionen: Um potenzielle Klimarisiken zu mindern und die Chancen nutzen zu können, ist Galenica bestrebt, ihre betrieblichen Emissionen (Scope 1+2) kontinuierlich zu senken. Die Aktivitäten fokussieren dabei auf die folgenden Bereiche:
- Einsatz von erneuerbaren Energien: Galenica bezieht ab 2025 an allen Betriebsstandorten Strom aus regenerativen Quellen. Dazu setzt Galenica unter anderem auf eigene Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen.
- Steigerung der Energieeffizienz: Im Rahmen von Umbauten setzt Galenica auf Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, wie zum Beispiel die Sanierung und Isolierung der Dächer.
- Senkung des Treibstoffkonsums: In der Distribution setzt Galenica zunehmend auf Fahrzeuge mit effizienterem oder erneuerbarem Antrieb. Ebenfalls wird die Auslastung der Fahrzeuge optimiert.
Senkung der Scope 3-Emissionen
2024 hat Galenica ein erstes vollständiges Screening ihrer Scope 3-Emissionen durchgeführt. Im aktuellen Jahr wurde die Inventarisierung der Scope 3 Emissionen weiter konkretisiert und erstmals vollständig offengelegt.
Das erste Screening diente als Basis für die Entwicklung eines Absenkpfads zu Netto-Null, der dazugehörigen Massnahmen und für die Prüfung eines möglichen SBTi-Commitments. Zentrales Instrument der bisherigen Bestrebungen in der Lieferkette ist der Verhaltenskodex für Lieferanten, der auch Umweltaspekte abdeckt. Seit 2025 führt Galenica Stichproben zur Einhaltung des Kodex durch.
Mehr Informationen zum Management der Treibhausgasemissionen und die detaillierten Massnahmen und KPIs sind im Kapitel Energie und Klimaschutz zu finden.